Evangelisches Dekanat Vogelsberg

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          Gott neu entdecken

          Gabt em Kaiser, was em Kaiser is, en em Herrgott, was em Herrgott is.

          T. Backwinkel-Pohl

          Kampagne "Dem Volk auf's Maul geschaut" zum Vogelsberger Kirchentag mit Thorsten Backwinkel-Pohl, Pfarrer in Engelrod

          „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mk 12,17) diesen Satz Jesu sollen wir „übersetzen“ in unseren Dialekt, ins Platt, in die Sprache, die einmal vielen hier Heimat war – und heute nur noch wenigen ist. Scheinbar einfach diese Aufgabe, denn dieser Satz ist ja einfach gebaut und nur aus wenigen verschiedenen Wörtern gebildet.

          „Gebt“ und „dem“ und „was“  - das alles ist schnell übersetzt. Aber dann: bei den Kirchenvorstehern, die es übersetzen, und beim Bürgermeister und seiner Vorzimmerdame, die auch einen Übersetzungsversuch starten – bei ihnen allen: Stolpern und Stutzen beim „Kaiser“: Wie soll man das übersetzen? „Sagen wir  Kaaser?“ „Nein, dies Wort in unserem Dialekt? Das gibt´s da nicht wirklich!“ Also: Fremd lassen wir den Kaiser auch in der Übersetzung stehen: „Gabt em Kaiser, was em Kaiser is, en em Herrgott, was em Herrgott is.“

          Fremd lassen wir den Kaiser stehen – und damit ist es im Dialekt wie im Griechischen des Neuen Testaments: Auch die Griechen haben zur Zeit Jesu kein eigenes Wort für den Kaiser. Nur abgeleitet, fremd aus dem lateinischen übernommen wird „Caesar“ da zum „kaisar“. Genauso fremd wird „Caesar“ in die germanischen Sprachen bis ins heutige Deutsch als „Kaiser“ übernommen.

          Caesar, Kaiser – das bleibt fremd, bis heute.

          „Gabt em Kaiser, was em Kaiser is, …“ In der dazugehörenden Geschichte (Mk 12,13-17) meint Jesus damit zuerst die  Steuermünze mit dem Bild des Kaisers Tiberius. Und dann? Was meint Jesus noch damit?

          Wenn die Sprache von sich aus schon die Wahrheit ansagt, dann zeigt das fremdbleibende Wort „Kaiser“ dies: Was dem „Kaiser“ zu geben ist, was dem „Kaiser“ gehört, ist immer etwas, was dem Einzelnen fremd ist und bleibt, was nicht zu seinem, des Einzelnen, wirklichen Eigentum gehört.

          Anders gesagt: Auch wenn Politik und Staat, Gemeinschaft und Gesellschaft, unsere Dörfer, der Umweltschutz und die soziale Gerechtigkeit wichtig sein können, auch dann: Nie schulde ich mich selbst ihnen! Nie muß ich mich ihnen ganz geben! All diesem Fremden muß und darf ich mich nie ganz als Person geben, mich von ihnen nicht auffressen lassen.

          Der „Kaiser“, der in unseren Sprachen fremd bleibt, und das, was ihm ist: Nie ist das meine Heimat, mein Zuhause, der wahre Ort wo ich hingehöre, der mich leben läßt.

          Der „Kaiser“ ist beim Übersetzen das erste Stolpern. Das zweite Stolpern, Stutzen folgt mit Gott. Gott – auch dieses Wort können wir im Dialekt nicht ganz durch ein eigenes Wort ersetzen. Aber immerhin: Gott wird da wieder zum „Herrgott“.

          Herrgott – damit wird das sprachliche Stutzen, Stolpern zum inhaltlichen: „Herrgott“ anstelle des heute so lieben „Lieben Gottes“.

          Ja, es scheint so zu sein: Der Dialekt bewahrt ein anderes Gottesbild, einen anderen Respekt gegenüber Gott als die verharmlosende gegenwärtige Rede vom „Lieben Gott“.

          Herrgott, Gott als der Herr … weil dem Herrn immer etwas gehört, ist ihm, dem Herrn, auch etwas zu geben.

          Etwas? Auch wenn es so klingt, Gabt em Herrgott, was em Herrgott is!, nein, nicht etwas ist Gott zu geben, sondern ein Jemand ist ihm zu geben.

          Jemand? Ja, wer denn?

          Nun, warum war die Steuermünze dem Kaiser zu geben?

          Weil sie sein Bild trug. Das Bild zeigt den Besitzer.

          Worauf ist Gottes Bild? Im 1.Buch Mose heißt es so: „Gott spricht: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.  … Zum Bilde Gottes schuf Gott den Menschen.“

          Wir Menschen sind Gottes Ebenbild, auf uns ist Gottes Bild. Dann sollen wir also uns selbst Gott geben …

          Wie? Wie geben wir uns Gott?

          Indem wir ihm glauben. Indem wir uns ganz im Leben und Sterben Gott anvertrauen. Indem wir beten und im Gebet unsere Erfolge, unser Glück, unsere Freuden, unser Leben wahrnehmen und Gott dafür danken. Und dann weiterbeten, wieder wahrnehmen, jetzt   unsere Selbstzweifel, unsere Lebenszweifel, unsere Angst, unseren Tod und all das Gott übergeben, ihm überlassen:

          „Hier nimm, Gott, nimm all mein Scheitern, all mein Verzweifeln, all meine Angst, all meinen Tod – nimm es Gott und wende es ins Leben!“

          Gott geben, was Gottes ist: Zu Gott gehen in aller Freude, mit allem Dank und zu Gott fliehen in aller Not. Von Gott das Leben nehmen in allem Glück und aller Not. Von Gott sich bergen lassen jetzt und in alle Ewigkeit.

          Wo einer sich im Glauben so Gott gibt und sich so von Gott nimmt, da erscheint die zweite Weise des Sich-gebens, wie Jesus sich Gott gegeben hat: das Meinen-Nächsten-Lieben - also ein Sich-Gott-geben, indem ich für den Anderen lebe, indem ich meine Kraft, meine Zeit, meine Hilfe, meine Fürsorge dem Nächsten gebe, der in Not ist.

          Sich Gott geben und sich dem Nächsten geben, das ist dann Eins. Gott lieben und den Nächsten lieben wird so zu einem Geben – dem einen Geben der Liebe.

          „Gabt em Kaiser, was em Kaiser is, en em Herrgott, was em Herrgott is.“ Ganz kurz heißt das: Gebt Leben dem Leben, gebt Liebe der Liebe.

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