Evangelisches Dekanat Vogelsberg

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          Gott neu entdecken

          Johannes Wildner

          Kampagne zum Vogelsberger Kirchentag mit Johannes Wildner, Pfarrer in Schlitz und Hutzdorf

          Johannes Wildner

          Christus spricht: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Lukas 11,9)

          Da sitze ich vor meinem Computer, starre auf den Bildschirm, kaue auf meinen Daumen herum und bitte und bitte und bitte, dass mir doch endlich passende Gedanken für diesen Artikel kommen! Gestern war letzter Abgabetermin, was den Druck nicht gerade schmälert. Gedanken blitzen auf, doch zurück bleibt nur ein fernes Grollen. – „Nee, das kannste nicht schreiben.“ Und so streichle ich flehentlich mit meinen Augen zum x-ten Mal diese Lettern, wiederhole sie wie ein Mantra: „Bittet, so wird euch gegeben.“

          Ach, wenn es doch immer nur so einfach wäre! Wie oft habe ich z.B. schon mein Schlüsselbund gesucht, und gesucht, und gesucht – „Verflixt nochmal, wo kann er denn nur sein?!“ Da habe ich gestern meine Kinder gebeten, ihr Zimmer aufzuräumen, und gebeten, und gebeten. Oder ich denke an Menschen, die mit Herzensverlangen an die Tür zur Freiheit anklopfen, und doch tut keiner für sie auf.

          Also: Aus allgemeiner Lebenserfahrung heraus kann dieser Satz nicht gesprochen sein, sondern da müsste man doch eher sagen: Wie oft suchte ich, und fand nicht; bat ich, und es wurde nicht gegeben; klopfte ich an, und es tat keiner auf.

          Aber das kann es doch nicht sein! Das allein zu schreiben, ist doch belanglos. Wen interessiert schon etwas, was jeder weiß?! Also noch einmal: „Bittet, so wird euch gegeben!“ Bitte! Bitte! Bitte!

          Da zuckt ein Gedanke durch mich: Was, wenn das die Antwort wäre! – Verstehen Sie, was ich meine? Aber meine ich, was ich verstehe? Verstehe ich überhaupt? Natürlich nicht. Es ist nur ein Gefühl. – Was, wenn die Antwort mir schon längst gegeben wurde, nur habe ich sie nicht als Antwort erkannt, weil ich mir eine andere Antwort wünschte. Ich war so darauf fixiert, hier einen fulminanten Text zu schreiben, dass ich als Möglichkeit diese Antwort gar nicht zuließ: Leere. Leere statt Lehre. Vielleicht will Gott gerade das mir jetzt sagen: Du mit deinem kleinen Hirn und deinem noch kleineren Herzen willst mir vorschreiben, welche Antworten ich – der Allmächtige und Barmherzige, der ich jedes Lebewesen im Blick habe – dir gebe.

          Von Dietrich Bonhoeffer stammt der Satz: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Und ich muss bekennen: Ich habe Dich, Gott, wie einen Weihnachtsmann behandelt. Ich hatte gehofft, in Deinem Sack hast du das passende Geschenk parat – in diesem Fall den Text für diesen Artikel. Aber so ist es nicht. Du gibst, wie Du es willst. Du bist kein Weihnachtsmann, sondern …

          Ich schaue auf. Über meinem Bildschirm hängt an der Wand das Kreuzigungsbild des Isenheimer Altars (bei Wikipedia leicht zu finden). Ich sehe Dich, wie Du zerschlagen mit abgeknicktem Kopf und offenem Mund, wie zum Schrei geformt, meine Bitten zum Verstummen bringst. Doch da sind Deine Hände. Wo alles entkräftet nach unten sackt, bäumen sich diese Finger wild auf und gellen es grell in den Nachthimmel: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

          Da ist keine Antwort in dieser Finsternis. Aber ist das vielleicht Deine Antwort?

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