Evangelisches Dekanat Vogelsberg

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          Dekanatssynode in Schlitz

          Von Bauplänen, Geflüchteten und Zukunftsfragen

          Lisa HäberleDie Synodalen und ihre Gäste hielten ihre Herbsttagung im Gemeindehaus in Schlitz

          Fehler in der Flüchtlingspolitik und anstehende Fusion große Themen der Synode

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          Lisa HäberleLuise Berroth berichtet über ihre Arbeit als Dekanin und die anstehende Dekanatsfusion

          Begleitet von Taizé-Gesängen sind die Synodalen am vergangenen Samstag, 23. September in der Stadtkirche Schlitz in die fünfte Tagung der laufenden Amtszeit gestartet. Spannende Berichte zu den Themen Koordination, Beratung und aktuelle Herausforderungen der Flüchtlingsarbeit standen auf der Tagesordnung und forderten genauso wie der Vortrag zum aktuellen Stand der Fusion und die Entstehung der Zusammenarbeit des ökumenischen Netzwerks Taizé im Vogelsberg die gesamte Aufmerksamkeit der Synodalen. 

          Beim Eröffnungsgottesdienst verglich Pfarrer Sigfried Schmidt in seiner Predigt das Leben mit einer Legobaustelle, die bevor die Baupläne gesichtet werden können, an reines Chaos erinnere. Nur eine persönliche Beziehung zu Jesus könne so einen Bauplan darstellen, unserem Leben Struktur geben und die Bausteine des Lebens ordnen und verbinden. Bei der Synode, so stellte er den Bezug zur Tagung her, gehe es um die Baupläne der Kirchengemeinden und der Kirche insgesamt, daher sei hier der Bezug zum Schöpfer unerlässlich.

          Präses Christa Wachter konnte bei der anschließenden Tagung im Gemeindehaus 39 Synodale und eine Jugenddelegierte und einige Gäste, darunter Armin Habermann von der Regionalverwaltung Oberhessen, Petra Jahnel, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Dekan Jürgen Sauer und Präses Sylvia Bräuning aus dem Dekanat Alsfeld begrüßen. Damit fehlte eine Stimme zur Beschlussfähigkeit der Synode, was aber nur zwei Tagesordnungspunkte betraf.

          Das große Thema der Flüchtlingspolitik und der Arbeit mit Flüchtlingen griff Propst Matthias Schmidt bereits in seinem Grußwort auf. Seine Interpretation der aktuellen Jahreslosung bedeute für die Christen, die Welt geistlich neu zu gestalten. Dies geht mit geistlichen Aufgaben einher, die Christen auch in Bezug auf Flucht und Migration wahrnehmen sollten. Dazu gehöre den geflüchteten Christen eine geistliche Heimat zu ermöglichen, spirituelle Orte anzubieten und sie in Gottesdienste zu integrieren. Gleichzeitig müssten Kirchengemeinden aber auch da unterstützen, wo persönliche Aspekte bei der Ablehnung eines Antrags nicht berücksichtigt wurden und Kirchenasyl anbieten. Herausforderungen sieht Schmidt bei der Taufe von Flüchtlingen. Glaubenskurse müssten sowohl an kulturelle Hintergründe und variierende Sprachfähigkeiten angepasst werden. Gleichzeitig kritisierte der Propst für Oberhessen die Praktik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Zweifel an der Echtheit der Taufe zu äußern und sogenannte „Glaubensprüfungen“ durchzuführen. „Lässt sich Glaube so beweisen, in dem man die zehn Gebote aufsagen kann?“, fragte Schmidt die Synodalen und beharrte darauf, dass Pfarrerinnen und Pfarrer verantwortungsbewusst mit dem Thema Taufe umgingen. Mit seinem letzten Gedanken, machte er auf die Religionsfreiheit als Menschenrecht aufmerksam, erinnerte im gleichen Zug aber auch daran, dass genau diese eben auch für alle Menschen und alle Religionen gelte. In all diesen Punkten müsse man aber mit öffentlichkeitswirksamen Debatten vorsichtig sein, um die Betroffenen und ihre Angehörigen nicht zusätzlich zu gefährden.

          Dekanin Luise Berroth hob in ihrem Bericht hervor, mit wie viel Kreativität und Herzblut die Kirchengemeinden ihre Aufgaben wahrnehmen und dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzen würden. Als Zeugnis dafür diene auch der Vogelsberger Kirchentag, an dem nahezu alle Kirchengemeinden mit Ständen, Programmpunkten und Aktionen beteiligt waren. Diese Reformationsveranstaltung wäre aber auch ein gutes Beispiel für die vielen still im Hintergrund arbeitenden Ehren- und Hauptamtlichen, bei denen sie sich für ihr Engagement recht herzlich bedanke. Es sei eine hohe Kunst, so Berroth, die Arbeit des Dekanats so zu gestalten, dass man davon auf der Ebene der Kirchengemeinden nichts merke, griff die Dekanin mit einem Schmunzeln eine oft genannte Kritik an der Dekanatsebene auf. Was sie an ihrem Dekaneamt besonders zu schätzen wisse, sei ihre Erfahrung, dass Kirche nicht nur aus Kirchengemeinden bestehe. Sie verweist auf Begegnungen in der Alten- und Krankenhausseelsorge, der Zusammenarbeit mit der Diakonie, besonderen Gottesdienste wie beispielsweise zur interkulturellen Woche und die Vernetzung auf Kreisebene. Gerade bei letzterem wären der Prozess und die Arbeit oft langwierig und manchmal auch mühsam. „Trotzdem“, so Berroth „fühle ich mich da gerufen, als Kirchenmensch zur Gremienarbeit nicht nein zu sagen.“
          Die Themen finanzielle Entwicklung in den Kirchengemeinden und die Durchregulierung im Bereich Verwaltung bereiten Berroth Sorge und werfen mehr Fragen auf, als sie Antworten geben könnten. So kämpfen Kirchengemeinden mit weniger Zuweisung bei gleichzeitig steigenden Personalkosten und die rechtliche Durchregulierung bei Verwaltungsaufgaben empfinde die kommissarische Dekanin als „Amerikanisierung“ und damit als Überforderung Ehrenamtlicher in den Kirchengemeinden. Gleichzeitig warb sie dafür Entlastungen, die vom Dekanat angeboten werden, anzunehmen. So war gemeinsam mit dem Dekanat Alsfeld eine Trägerschaft für Kindertagesstätten geplant, konnte jedoch nicht umgesetzt werden, da zu viele Kirchengemeinden sich dagegen entschieden haben. Berroth betonte: „Das Misstrauen gegenüber dem Dekanat finde ich befremdlich.“

          Die Vorsitzende des Dekanatssynodalvorstands Christa Wachter griff in ihrem Bericht die Entwicklungen des vergangenen Jahres auf und hob besonders den Vogelsberger Kirchentag hervor, der, so Wachter, „so vieles sichtbar gemacht und bewirkt hat und das kirchliche Leben im Vogelsberg erfolgreich dargestellt hat.“ Sie freue sich über das Engagement aller Beteiligten und die gute Resonanz zu der Veranstaltung.

          Danach hatten zwei Referenten aus dem Dekanat Alsfeld sowie die Leiterin des Diakonischen Werks Vogelsberg, Martina Heide-Ermel, die Möglichkeit, über die Koordination, die Situation und die Beratung von Geflüchteten zu berichten. Traudi Schlitt führte zuerst aus, welche Art von Unterstützung die etwa 2000 Geflüchteten im Vogelsberg erhalten und wie sich die Bedarfe seit Beginn der Flüchtlingswelle von Grundnahrungsmitteln und Kleidung zu Integration in die Gesellschaft, Arbeitsmarkt und ehrenamtliches Engagement gewandelt habe. Sie betonte, dass es gerade im Vogelsberg eine erfreuliche Entwicklung gebe, da überdurchschnittlich viele Geflüchtete bereits in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten. Trotzdem gebe es immer noch Defizite, wie beispielsweise beim Thema Wohnraum, erklärte die Freiwilligenmanagerin. Martina Heide-Ermel ergänzte diesen Bericht mit ihren Erfahrungen aus der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks. Ralf Müller, Referent für Bildung und Ökumene, zeigte den Synodalen abschließend auf, warum Kirchenasyl so wichtig geworden ist und eine zunehmende Relevanz bedarf. Dafür griff er auf die interne Studie des BAMF zurück, die belege, dass ein Großteil der Sachbearbeitenden für Asylanträge fachfremd sei und nur ein Fünftel des benötigten Wissens nachweisen könne. „Das System wurde zu Beginn der Flüchtlingswelle auf Tempo generiert und deswegen sind unheimlich viele Fehler passiert“, erläutert Müller seine hohen Zahlen zu Fehlentscheidungen bei Ablehnungen von Flüchtlingen. Gleichzeitig erklärte er, dass das Kirchenasyl keine politische Positionierung sondern eine Einzelfallüberprüfung in Härtefällen sei. Trotzdem sehe er „die Kirche als politische Lobby für Geflüchtete, da die rechtstaatliche Asylpolitik in den letzten Monaten verlorengegangen ist.“

          Ein weiterer spannender Punkt auf der Tagesordnung war das Thema Dekanatsfusion. Die Fusion der Evangelischen Dekanate Vogelsberg und Alsfeld steht zwar erst im Januar 2019 an, die Vorbereitungen dafür laufen aber bereits in einer Steuerungsgruppe und verschiedenen Untergruppen. So brachte Dekanin Luise Berroth die Synodalen mit Nennung der letzten Arbeitsschritte und Inhalte auf den neuesten Stand. Eine Diskussion folgte auf die Tatsache, dass die Fach- und Profilstellen sich trotz der veränderten Größe des neuen Dekanats nicht erweitern würden. „Wir müssen deutlich machen, dass die große Fläche des zukünftigen Dekanats ein Problem werden kann“, argumentierte ein Synodaler und erntete damit Beifall. Wo der Sitz des neuen Dekanats sein wird und welchen Namen dasselbe tragen wird, soll möglichst bei der ersten gemeinsamen Synode am 17. November in Maar beschlossen werden.

          Abschließend berichtete Dekanatsjugendreferentin Jutta Marth-Steckenreuter und Wilma Well über die jährliche Fahrt von Jugendlichen nach Taizé, einem kleinen Ort in Frankreich. Die ökumenische Arbeit zusammen mit der evangelischen und katholischen Kinder- und Jugendarbeit im Dekanat Alsfeld und dem Bund der katholischen Jugend, „birgt wertvolle Erfahrungen und gelingende Gemeinschaft“ sowohl für die Teilnehmenden als auch die Betreuerinnen und Betreuer. Beide brachten ihren Wunsch zum Ausdruck noch „mehr Unterstützer in allen Kirchengemeinden des Dekanats und noch mehr Räume für Begegnungen vor Ort zu finden, um das so wichtige Vertrauen zu uns selbst und in die nächste Generation weiter zu stärken.“

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