„Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ – das musikalische Motto der Posaunenchöre Hopfgarten und Brauerschwend unter der Leitung von Jutta Kirschbaum und Daniel Roth könnte ein Motto sein: Sie eröffneten damit den Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Peter Weigle, der bereits Anfang des Jahres seinen Ruhestand angetreten hat. Sehr gut gefüllt war die Brauerschwende Kirche, als am vergangenen Sonntag Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer mit dem scheidenden Pfarrer, Dekanin Dr. Dorette Seibert und Mitgliedern aus allen Kirchenvorständen, mit denen der umtriebige Geistliche während seiner neun Jahre im Vogelsberg zu tun hatte, einlief. Gewohnt launig und wortbeseelt begrüßte Peter Weigle die Gäste: Er freute sich über „alle Würdenträger und alle Würde Tragenden“, darunter neben vielen Freunden und Weggefährten auch Patronatsherr Dr. Berthold Riedesel Freiherr zu Eisenbach sowie Caroline Gräfin Droste zu Vischering als Vertreterin der Ehringshäuser Patronatsfamilie. Für weiterte musikalische Programmpunkte stand neben den Posaunenchören der Projektchor „Hast du Töne“ unter der Leitung von Jürgen Hedrich bereit. Letzterer war auch Organist – in diesem Fall am Keyboard.
Mit Blick auf seine ungewöhnliche Biografie – krankheitsbedingt hatte er zwanzig Jahre nicht als Pfarrer gearbeitet -, verspürte Peter Weigle eine große Dankbarkeit, die er mit allen Anwesenden teilte: „Ich bin von Gottes Güte begeistert.“ In seiner Predigt ging der Geistliche zunächst auf das Beten ein: Es gebe kein richtiges und falsches Beten, keine vorgegebenen Worte, nicht mal ein Format: Gebete könne man auch stricken, empfahl Weigle eine andere Art des göttlichen Austauschs, oder Singen: „Die Gebetssprache ist eine Herzenssprache.“ In den schwersten Zeiten seiner Krankheit habe er selbst nicht mehr beten können, umso schöner sei es gewesen, dass andere mit ihm und für gebetet haben. Auf seinen Abschied ging er mit den Worten ein: „Ich wäre gerne der Pfarrer gewesen, den ihr verdient habt, aber ich hatte auch nicht immer, die Gemeinde, die ich verdient hätte.“ Da war er wieder, der besondere Humor des Peter Weigle, ein Talent, das ihn stets getragen haben muss – neben seinem Glauben. „Doch ich denke, wir haben es gut gemacht“, so sein Fazit: „Wir hatten kostbare Momente und eine gute Gemeinschaft.“ So gut, dass er dem Gruppenpfarramt als Gemeindeglied und rühriger Pfarrer im Ruhestand erhalten bleiben wird. „Es war mir eine Ehre, euer Pfarrer gewesen zu sein.“
Sehr persönlich und auch sehr emotional war die Ansprache, die Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer vorbereitet hatte. Sie erinnerte an die Ordination durch Dekan Klaus Spory vor dreißig Jahren in Frankfurt-Liederbach. „Du, Gott, stellst meine Füße auf weiten Raum“, zitierte sie das Bibelwort von damals – das wie kein zweites auf Peter Weigle zutreffe: Weite Räume habe er sich erobert, einige seien schwer zu durchschreiten gewesen. Krankheit und Schwäche habe Peter Weigle durchlebt genauso wie Kraft und Stärkung durch Gott. Die Pröpstin ließ Stationen aus dem Leben des Pfarrers vorbeiziehen: ein kluger junger Mann, der mit siebzehn Jahren Abitur machte und zum Studieren u.a. in die USA ging. Der HIV-infiziert zurückkam und der Krankheit für lange Zeit seinen Beruf opfern musste. Drei Jahre nach der Ordination trat Peter Weigle zunächst den Rückzug an, zehn Jahre später hatte er sich so weit stabilisiert, dass er zurückkommen wollte, doch seine Landeskirche lehnte ihn ab. Die Verabschiedung zwanzig Jahre nach dieser Erfahrung – der bekanntlich eine gute Wendung folgte – nutzte die Pröpstin als Mitglied der Leitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), um den Pfarrer offiziell um Entschuldigung zu bitten für die Abweisung, die ihm damals aufgrund seiner Erkrankung widerfuhr. Diese Geste würdigte die gesamte Gemeinde mit einem anhaltenden Applaus. Weitere zehn Jahre später fragte die EKHN bei dem Pfarrer an, ob er noch bereit sei. Seitdem war Peter Weigle im Gruppenpfarramt und zeitweise in Ehringshausen und hat viele Vertretungsdienste übernommen. Wie er hier ist, mit den Menschen, seinem Glauben und seiner Art, Pfarrer zu sein, das haben alle Anwesenden in den vergangenen neun Jahren kennen- und lieben gelernt. Die Pröpstin dankte Peter Weigle für sein Tun und sprach ihn von allen Pflichten frei.
Ebenso zugewandt war die Ansprache der Dekanin: „Abschied ist ein Moment des Dankes und des Erinnerns“, sagte sie. Sie würdigte mit einem sehr bunten Geschenk das Wirken des Geistlichen, dessen legendäre Wortschöpfungen und die Wertschätzung, die er stets mit seinen Besuchen im Dekanat zum Ausdruck brachte. Sein Lebensweg habe ihm sehr genau gezeigt, wie zerbrechlich alles ist, wie sehr man aber auch von Gottes Liebe getragen werden kann. Er könne glaubwürdig Mut machen, habe Humor und sei als Mensch und Pfarrer nahbar.
Auch die Fürbitten schlossen viel Dank und Wertschätzung für Peter Weigles Wirken ein. Dieser war am Ende tief gerührt und berührt. Und einmal mehr sehr nahbar für seine Gäste, die mit ihm weiterzogen zu einem Kaffeetrinken im DGH in Vadenrod. Dort nutzten noch Caroline Gräfin Droste zu Vischering als Vertreterin der Ehringshäuser Patronatsfamilie, Joachim Well vom Ehringshäuser Kirchenvorstand, Beatrix Dymianiw von der katholischen Pfarrei sowie die Pfarrkollegen aus dem Gruppenpfarramt die Gelegenheit zu Grußworten.