„Ich kann sehr schlecht Tschüss sagen“

veröffentlicht 19.08.2026 von sfra, Ev. Dekanat Vogelsberg

Viereinhalb Jahre lang hat Pfarrerin Tamara Kaulich das Gemeindeleben geprägt. Nun heißt es Abschied nehmen und zugleich aufbrechen zu neuen Ufern.

„Das war jetzt mein letzter Gottesdienst hier.“ 

Als Pfarrerin Tamara Kaulich diese Worte am Ende ihres letzten Gottesdienstes in der Gemeinde aussprach, war da dieses mulmige Gefühl. Seit Anfang 2022 war sie Teil des Gemeindelebens Zell und Billertshausen gewesen. Nicht nur sonntags im Talar, sondern mittendrin: bei Dorfjubiläen, Veranstaltungen, Gesprächen, am Stammtisch und immer wieder dort, wo Menschen ihr Leben mit ihr teilten. Nun heißt es Abschied nehmen.

„Ich gehe nicht leichtfertig“, sagt Kaulich. Denn in den vergangenen viereinhalb Jahren ist etwas gewachsen, das sich nicht einfach mit einem Stellenwechsel abschütteln lässt: eine echte Weggemeinschaft. Ein Kirchenvorstand, der sich gemeinsam mit ihr auf neue Wege eingelassen hat. Menschen, die Ideen ausprobiert haben. Und eine Gemeinde, in der aus Fremden irgendwann Vertraute wurden.

Ein Stammtisch wird zum Stück Gemeinde

Vielleicht zeigt kaum etwas so deutlich Kaulichs Verständnis von Kirche wie der Stammtisch, den sie gemeinsam mit dem Kirchenvorstand ins Leben rief: Im Pfarrgarten trafen sich Menschen zum Reden und Austauschen – über Gott und die Welt. Aus sieben oder acht wurden bald viele, aus dem Stammtisch im Sommer ein Glühweinabend im Winter. Irgendwann organisierten die Teilnehmenden das Treffen sogar selbst. Kirche, wie Kaulich sie versteht: ein Ort, an dem Menschen einfach zusammenkommen, ohne Schwellen und ohne Programmzwang.

Kaulich hat in ihrer Zeit vieles ausprobiert: Konzertlesungen, besondere Gottesdienste, Dorfjubiläen und neue Formate wie eine Abendmahlsandacht unter dem Titel „Proviant für den Weg“. Dabei ging es ihr nie darum, Kirche um ihrer selbst willen spektakulär zu machen. Vielmehr wollte sie Räume schaffen, in denen Menschen einen Zugang finden können.

Und manchmal braucht es dafür eben einen Stammtisch, ein Getränk und ein gutes Gespräch.

Ein neuer Anfang, aber kein Abschied vom Vogelsberg

Mit der neuen Stelle in Angersbach/ Wartenberg wartet kein ruhiger Neustart auf Kaulich, sondern eher ein Sprung ins kalte Wasser, wobei sie selbst sofort lachen muss, weil ausgerechnet Redewendungen nicht zu ihren größten Stärken gehören.

Neu für sie sind unter anderem zwei Kindertagesstätten im Gemeindegebiet. Darauf freut sie sich besonders. Sie möchte stärker mit Kindern und Familien arbeiten und schauen, was sich gemeinsam entwickeln lässt. Auch Fahrradgottesdienste kann sie sich gut vorstellen.

Vor allem aber möchte sie eines mitbringen, was sie selbst in ihrer bisherigen Gemeinde erfahren hat: Offenheit.

„Ich wünsche mir, dass da Menschen sind, die Gemeindeleben gestalten wollen und dass man Gutes miteinander gestaltet“, sagt sie.

Zwischen Wehmut und Aufbruch

“Ich kann sehr schlecht Tschüss sagen.”

Ein Satz, der wohl kaum besser beschreibt, wie Tamara Kaulich auf ihren Abschied blickt. Denn die vergangenen viereinhalb Jahre waren für sie mehr als eine berufliche Station. Es waren Jahre voller Begegnungen, gemeinsamer Projekte, schöner Momente, aber auch Herausforderungen und schwieriger Entscheidungen. Vieles davon wird sie mitnehmen, wenn sie nun einen neuen Weg einschlägt. „Wir haben zusammen das Trittsichere erlernt“, sagt Kaulich rückblickend. 

Jetzt beginnt ein neuer Weg.

Mit Wehmut im Gepäck. Mit Dankbarkeit. Und mit Neugier auf die Menschen, die sie dort erwarten.

Und vielleicht wird aus dem Abschied irgendwann genau das, was gute Weggemeinschaften ausmacht: kein endgültiges „Leb wohl“, sondern ein „Auf Wiedersehen.“

 

Termine

Verabschiedung von Pfarrerin Tamara Kaulich
23. August 202616 Uhr
Außenliegend 8, 36304 Alsfeld-Billertshausen

Begrüßung von Pfarrerin Tamara Kaulich in Wartenberg
20. September 202614 Uhr
Pfarrgasse 15, 36367 Wartenberg

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, gemeinsam Abschied zu nehmen und Tamara Kaulich für ihren neuen Weg alles Gute zu wünschen beziehungsweise sie in Wartenberg willkommen zu heißen.