Es ist eine feste Anlaufstelle für alle Menschen mit Migrationshintergrund: Seit fünfzehn Jahren bietet das Selbstlernzentrum unter Federführung des Evangelischen Dekanats Vogelsberg kostenloses Deutschlernen an. Von Anfang an dabei war Kriemhilt Köhler. Die 79-Jährige ehemalige Grundschullehrerin stieg nach ihrer Pensionierung ein, um weiterhin Wissen zu vermitteln und Menschen zu unterstützen. Waren es zu Beginn noch Lerntandems, also eine Eins-zu-Eins-Betreuung der Lernenden durch Ehrenamtliche, wird im SLZ nun von einer ganzen Reihe freiwillig Unterrichtender Gruppenunterricht für mehrere Gruppen angeboten. Jeden Dienstag von 15:30 bis 18:30 Uhr öffnen sich die Türen im Gebäude des Evangelischen Dekanats (Fulder Tor 28) für die Lernwilligen. Viele Kontakte konnte Kriemhilt Köhler in diesen fünfzehn Jahren knüpfen, viele globale Krisen dadurch miterleben, dass Menschen aus den verschiedensten Ländern in Deutschland Schutz suchten, zuletzt natürlich Ukrainer und Syrer. „Iraner, Afghanen, Eritreer und Äthiopier – viele Nationalitäten kommen wöchentlich ins SLZ, um Deutsch zu lernen“, sagt Köhler. Doch nicht nur Geflüchtete sind willkommen, sondern alle Menschen, die ihr Deutsch voranbringen wolle. Kriemhilt Köhle weiß: „Sprache ist so wichtig für die Integration – man versteht eine Kultur am besten über die Sprache.“ Für Lernpatin gilt das mit dem Lernen auch umgekehrt: „Ich habe viel von den Menschen, die zu uns ins SLZ kommen, gelernt: Lebensumstände, Kultur, der Aufbau ihrer Sprache.“ Wenn man sich mit Kriemhilt Köhler unterhält, wird schnell deutlich, dass sie – obwohl sie ihr Ehrenamt mit fast achtzig Jahren freiwillig abgibt – mit einem lachenden und einem weinenden Auge geht, denn nicht nur die Menschen haben ihr viel gegeben, sondern auch die vielen kleinen Fortschritte, die sie sehen konnte. „Natürlich waren nicht alle gleich gut; unsere Schülerinnen und Schüler starten ja schon auf einem sehr unterschiedlichen Niveau, aber für mich zählt auch der kleinste Fortschritt, der die Menschen in ihrer Autonomie hier bei uns ein wenig weiterbringt.“ Eine Tatsache, die nicht nur für die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrenden gut ist, sondern die ganz klar auch der Gesellschaft nutzt, wie Köhler ausführt. Carolin Braatz, Referentin für Ökumene und Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat und Koordinatorin des SLZ, dankte Kriemhilt Köhler für ihr langes und wertvolles Engagement.
Köhler selbst kann die freiwillige Arbeit im Selbstlernzentrum nur empfehlen: „Die Arbeit im Team und gemeinsam mit den Lernenden macht viel Freude, zumal ab und zu auch kleine Gemeinschaftserlebnisse angeboten werden.“ Wer also gerne Kriemhilt Köhlers Nachfolge als Lernpatin im Selbstlernzentrum antreten möchte, kann sich auf eine sinnvolle Tätigkeit gepaart mit schönen Gemeinschaftserfahrungen freuen.
Nun allerdings ruht die Arbeit im Selbstlernzentrum für die Dauer der Sommerferien. Am 11. August um 15:30 wird wieder gelernt. Wer sich in der Zwischenzeit als Lernpate oder Lernpatin melden möchte, kann dies bei Carolin Braatz unter 06631 91149-18 oder carolin.braatz(at)ekhn.de oder einfach dienstags zum Schnuppern vorbeikommen.