„Wo Vertrauen wächst, wächst Zusammenhalt“

veröffentlicht 16.05.2026, Ev. Dekanat Vogelsberg

Dr. Julia Marburger verlässt den Vogelsberg – neue Aufgaben an der Bergstraße - Verabschiedung am Pfingstmontag in Grebenhain

Sie hätte sich gut vorstellen können, noch sehr viel länger im Vogelsberg zu bleiben – das sagt Dr. Julia Marburger mit Blick auf ihren bevorstehenden Abschied. Vor knapp zwei Jahren war sie in der Crainfelder Kirche in ihr Amt eingeführt worden, nun zieht sie weiter. „Es war eine familiäre Entscheidung“, erklärt sie. Ihre Frau, Pfarrerin Carina Schmidt-Marburger, die bislang im Nachbardekanat „Gießener Land“ tätig war, tritt zum 1. Juni eine neue Stelle im Dekanat Bergstraße an. Julia Marburger wird sie begleiten und dort zunächst einen halben Verwaltungsauftrag sowie eine halbe Stelle als Schulpfarrerin übernehmen.

Dankbar blickt sie auf zwei intensive Jahre zurück, die von wegweisenden Entscheidungen und Veränderungen geprägt waren. In dieser Zeit entstand der Nachbarschaftsraum „Hoher Vogelsberg“, zu dem die Kirchengemeinden Stockhausen-Rixfeld, die Kirchengemeinde an Schwarzbach und Altefell, Herbstein-Lanzenhain, Herchenhain, Crainfeld, Nieder-Moos und Freiensteinau gehören. Als damals neues Mitglied des Verkündigungsteams habe sie die Region von Beginn an als gemeinsamen Nachbarschaftsraum verstanden und die damit verbundene Transformation gerne begleitet. Rückblickend sei sie dankbar dafür, was in den vergangenen zwei Jahren alles möglich gewesen sei – gerade, wenn man bedenke, „dass Kirche sonst eher in Ewigkeiten denkt“, resümiert die 38-jährige Theologin augenzwinkernd.

Der Prozess sei zwar sehr zeitintensiv gewesen, zugleich aber von allen beteiligten Kirchengemeinden gemeinsam getragen worden. Es habe bereits zwischen den Dörfern ein gutes Miteinander gegeben, das habe sicher geholfen. „Darüber hinaus ist im gemeinsamen Prozess auch viel zusammengewachsen, und der Nachbarschaftsraum steht sich heute näher, als man es angesichts der doch recht großen Entfernungen vermuten würde.“ Neben der Bildung des Nachbarschaftsraums sei auch ein gemeinsamer Verwaltungssitz gefunden worden. „In Crainfeld gemeinsam mit der Diakonie ein ,Haus der Kirche‘ zu beziehen, war eine kluge Entscheidung – und für alle Kirchengemeinden gut tragbar“, ist sie überzeugt. Außerdem seien die Sanierung der Crainfelder Kirche angestoßen worden und der Kirchenvorstand mit der Vorsitzenden Christiane Schindler und ihrer stellvertretenden Vorsitzenden Iris Niggenaber in ehrenamtlicher Hand, so wie es zukünftig in allen Kirchenvorständen der EKHN sein solle.

Immer wieder richtet sich ihr Blick dabei auf das Engagement der Ehrenamtlichen, insbesondere der Kirchenvorstände. „Ich war oft darüber beeindruckt, wie sehr die Ehrenamtlichen im kirchlichen Veränderungsprozess mit angepackt haben“, beschreibt die Theologin. Dabei helfe sicherlich auch die Mentalität im Hohen Vogelsberg, die sie sehr schätzen gelernt habe. „Die Menschen hier lamentieren wenig. Sie sind es gewohnt, mit manchmal auch schwierigen Gegebenheiten umzugehen und das Beste daraus zu machen“, beschreibt die Theologin ihre Eindrücke.

Natürlich sei die Arbeit auch durch Veränderungen und Verwaltungsaufgaben geprägt gewesen. Zugleich seien aber vielfältige Gottesdienste, Schule und Konfiarbeit Teil ihres Alltags gewesen. „Kirche gehört zur Identität und Mentalität der Menschen im Hohen Vogelsberg dazu“, sagt sie. Besonders die Gottesdienste gemeinsam mit Vereinen – etwa zur Kirmes, zum Backhausfest oder zum Schützenfest – hätten gezeigt, wie selbstverständlich Kirche im Hohen Vogelsberg gelebt werde.

Seelsorge und Trauerbegleitung seien ein wichtiger Teil der pastoralen Aufgaben im ländlichen Raum. Hier haben sich viele Berührungs- und Beziehungspunkte weit über die Trauerfeier hinaus ergeben. Die Gründung einer Krabbelgruppe sei ihr ebenso ein Anliegen gewesen wie das theologische Arbeiten mit dem Kirchenvorstand zum Abendmahl. Gottes Zuwendung als Stärkung auf dem Weg durch herausfordernde Zeiten zu begreifen, sei ihr stets ein wichtiges Anliegen gewesen.

Während ihrer Zeit als Pfarrerin in Crainfeld, die sie als Pendelpfarrerin im Pfarrhaus Wetterfeld wohnend ausgeübt hat, habe sie zahlreiche persönliche Kontakte geknüpft und sich im Hohen Vogelsberg beheimatet gefühlt. Die Gemeindeglieder habe sie als flexibel und zugleich hoch motiviert erlebt, sich gemeinsam auf neue Wege einzulassen. Für sich selbst sei in dieser Zeit die Erkenntnis gereift, dass sie gerne als Gemeindepfarrerin ihren Dienst versehe und vorerst keine andere, etwa universitäre Laufbahn einschlagen wolle. „Von Gott zu erzählen und Kirche mitzugestalten ist eine großartige Aufgabe.“ Daran wolle sie weiterhin aktiv mitwirken – auch, weil sie überzeugt sei, dass es zum Wesen der Kirche dazugehöre, sich immer wieder zu transformieren.

Zum Abschied dankt sie den Kirchengemeinden im Nachbarschaftsraum für den Mut, den sie in allen Veränderungsprozessen bewiesen hätten. Sie wünsche ihnen, dass sie an den neuen Strukturen weiter wachsen werden. Zugleich hofft sie – auch in ihrer Funktion als stellvertretende Kirchensynodale aus dem Vogelsberg –, dass die Kirchenleitung die Anliegen ländlicher Räume wahrnehme, wie es zuletzt auf der Frühjahrssynode im Bericht der Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz deutlich geworden sei.

Veränderungen und damit auch Unsicherheit seien, so sagt sie abschließend, ein großes gesellschaftliches Thema. „Vertrauen ist das Gegenmittel. Denn dort, wo Vertrauen wächst, wächst auch der Zusammenhalt.“

Am Montag, 25. April, wird Julia Marburger um 14 Uhr in der Kirche in Grebenhain versabschiedet.